Entdeckungsfahrten, Teil 01


Aus dem Tagebuch Piet Vierhaupts:

17.06.1859 Vielleicht hätte ich auf K. hören sollen. Der unerforschte Süden ist schon erforscht, auch wenn viel durch die D. verloren gegangen ist. Mindestens 30000 Mücken erschlagen. Morgens ein Träger unter R. zerquetscht. Frag mich: ist der Neuschaffenclub das Wert?

F. hat neue Uwerfenart entdeckt. Hurra!*

18.06.1859 Eingebohrenenführer gefunden. Bringt uns weiter weg von Sp.

18.06.1859 Abends Dorf entdeckt. Hoffnung auf ruhige Nacht.

Was Piet verschwieg, weil er es nicht für bedeutend hielt, war, dass die Eingeborenen dieses Dorfes erheblich hellheutiger waren als die Erdalesen, die extrem dunkelhäutig, fast schwarz, waren und sich dadurch stark von allen Volksgruppen dieser Region unterschieden. Einige Professoren der Universität hatten die Hypothese aufgestellt, dass sie mit den Bandoranen verwandt sein sollten, die seit dreihundert Jahren mit Xpoch Handel trieben, deren Heimat man aber immer noch nicht hatte ausfindig machen können. Piet wußte, welcher Ruhm demjenigen winkte, der diesen geheimnisvollen Ort des Reichtums und der magischen Wunder entdeckte (und damit für bessere Handelsbedingungen gegenüber den Bandoranen sorgte). Da man jedoch davon ausging, dass dieses sagenhafte Land jenseits des Meeres von Aerin Dal lag, hielt sich Piet vorerst von solchen Unternehmungen fern. Die aufkommenden Spannungen in diesem Gebiet machten eine solche Reise nicht gerade einladender.

Noch viel größeren Ruhm würde sich natürlich derjenige erringen, dem die Weltumrundung gelange und vielleicht auf diesem Weg die Entdeckung gelang. Bisher waren jedoch alle diese Versuche in den unruhigen, Schildkröten verseuchten Meeren südlich von Yakirl gescheitert. Zwar wurde die Überlegung, Yakirl zu Fuß zu überqueren und auf der anderen Seite ein neues Schiff zu chartern, immer populärer, die problematische Logistik eines solchen Unternehmens und die damit verbundenen Ausgaben hatten bisher jedoch jeden davor zurückschrecken lassen.

Womit Piet nun versuchte, seinen Ruhm zu mehren und vielleicht sogar in den Königlichen Neuschaffens Club aufgenommen zu werden - ein Ziel, welches er nur sich selbst eingestand und anderen gegenüber vehement abstritt - war die Entdeckung eines Handelspfades zwischen Erdal und den Flüssen der Chi'iri'Las, jenen Echsenmenschen, die die wundervollsten Kunstgegenstände herzustellen vermochten, die man jedoch nur über die Widerverkäufer in Aerin Dal erhalten konnte. Er hatte dieses Unterfangen für relativ einfach gehalten, im Verhältnis zu einigen anderen ruhmvollen Expedition.

Trotzdem war er kein Dummkopf, der eine Expedition ohne Unterstützung und eine starke Mannschaft unternommen hätte.




*An dieser Stelle stand ein besonderes, etwas brieteres Ausrufezeichen, welches in Piet Vierhaupts Aufzeichungen immer wieder Verwendung fand, wenn seine vorangegangenen Worte nicht ganz seiner Stimmung entsprachen.

Die Reisen des Piet Vierhaupt